Radikale Open-Source Bewegung
Und wieder mal spricht ein Politiker offen über etwas, von dem er anscheinend keine Ahnung hat. Diesmal ist es der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings, der für eine Verschärfung des Urheberrechts plädiert. Ist an sich vielleicht gar keine schlechte Idee (in bestimmten Bereichen), doch was er während seiner Rede alles durcheinander wirft ist doch geradezu haarsträubend.
Nicht nur daß er glaubt, die “Open-Source-Bewegung” (“Radikale”) hätte “längst auch den Buchmarkt entdeckt” (gibt es eigentlich auch “Closed-Source Bücher”?) deren “Vertreter der Schutz geistigen Eigentums nicht mehr ist, als eine neue Erfindung mächtiger Verleger”. Er ist auch der Ansicht, daß dieses Verhalten “zu einem Absterben des kreativen Potenzials in unserem Lande” führen würde.
Unterm Stich liest sich das Redemanuskript wie ein panikmachender Artikel einer Boulevardzeitung, der von insidern eher in den Bereich der Fantasy gehört. Herr Dr. Krings sollte sich doch vielleicht mal einige Open-Source Lizenzen durchlesen, die hauptsächlich Urheberrechtslizenzen sind.
Aber solange auch gewisse Politiker den Begriff “freie Software” wie “Freibier” verstehen (anstelle von “Freiheit”), werden wir wohl immer wieder mal solche für Insider sehr erheiternde Texte lesen können.
Wenns denn erheiternd wäre, das Geseiere des Herrn Krings zu lesen. Leider ist es nur eine geifernde Hasstriade gegen Open-Source-Lizenzen. Inklusive Beissreflex. Ein Schelm, wer dabei an “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing” denkt.
komisch, dass sich jetzt die ganze Bewegung mit heftigem Ruck von der Krings-Rede distanziert. Ich ernte für gewöhnlich immer höhnisches Gelächter und sprüche wie “Information want to be free”, wenn ich raubkopierende Bekannte darauf hinweise, dass es Kunst- und Kulturschaffende gibt, die durchaus davon leben wollen, dass das, was sie produziert haben, eben nicht frei und gratis gibt.
Aber den Unterschied zwischen Open Source und Freeware machen ohnehin nur diejenigen, die vom Programmieren leben. Die Nutzer klauen halt ….
@Joachim, alle:
Richtig. Die Nutzer klauen eben. Und genau das ist das Problem, wo Krings (leider) recht hat: Es existiert eine Selbstbedienungs-Mentalität, die außer Acht läßt, daß Leute durchaus auch als Kunstschaffende / Kreative / was-auch-immer Geld verdienen wollen (bzw. müssen – auch der größte Idealist wird für Nahrung, Strom, Internet, … bezahlen müssen). Den Unterschied zwischen “frei” und “für lau” zu umreißen und in die Köpfe der Leute zu bringen, dürfte für die nächste Zeit zentrale Aufgabe jeglichen Engagements werden.
Und _trotzdem_ hat Krings Unrecht, weil auch er diesen Unterschied nicht verstanden hat, weil auch er platt Open-Source, Freie Software/Inhalte mit einem Selbstbedienungsladen für die “Geiz-ist-geil” – Generatzion zusammenwirft, ohne verstanden zu haben, worum es eigentlich geht. In dieser Prämisse ist er, wenngleich auch aus anderer Richtung, nicht schlimmer als all jene, die sich in Dimensionen jenseits dessen, was Fair-Use oder Privatkopie-Verfechter anstreben, freizügig und gern überall bedienen. Auch Open-Source und Freie Software lebt nicht ausschließlich vom Nehmen…