Mehrere Wochen wurde versucht, den “Bruno” getauften Bären zu fangen. Kaum war der vom bayerischen Innenminister ausgeestelte Abschussbefehl ausgestellt, wurde JJ1 auch schon gefunden und ermordet. Und niemand scheint sich darüber zu wundern. Jetzt gibt es scheinbar Morddrohungen gegen denjenigen, der den ersten freilebenden Bären seit 170 Jahren in Deutschland ermordet hat. Wer sich darüber wundert, lebt absolut realitätsfremd. Typisch Deutsch.
Erfolgreich haben die deutschen Medien aus einem den Menschen fürchtendem Tier ein Monster erschaffen. Tatsächlich hat JJ1 niemals einen Menschen angegriffen. Lediglich eine handvoll Schafe, Bienen und Hühner wurden von ihm erlegt. Die deutschen Innenminister haben in einer vergleibaren Zeit übrigens in der Vergangenheit mehr als 10 mal soviel Rinder und Schweine vorsichtshalber töten lassen als Bruno erlegt hat. Typisch Deutsch.
Und jetzt? Die Presse weint. Das Volk weint. Die Politiker reden sich – wie üblich – aus allem heraus. Und niemand steht auf und sagt was. Und jeder denkt sich Was kann ich alleine schon ausrichten. Typisch Deutsch.
Was die Deutschen dank der deuschen Presse nicht merken: Das gesamte Ausland lacht sich während der Fußballweltmeißterschaft halb tot über die dämlichen Deutschen.
Pressestimmen:
< „Augsburger Allgemeine“:
Anderswo ist die Natur bis heute ungebändigt: im östlicheren Europa, in Amerika. Dort ist der Mensch auf die Gefahr oder auch nur Belästigung eingestellt, die eine freie Natur für ihn bedeuten kann. Nicht wenige Amerikaner haben Bären als Nachbarn, lieben sie und wissen, wie man sich vor ihnen hütet. Wir liebten unseren Bären und fürchteten ihn und wussten uns nicht zu helfen. Wir leben naturfern. Begegnen wir der ungezähmten Natur, greifen wir ratlos zum Gewehr.
„Landeszeitung“ (Lüneburg):
Bruno war nur kurz zu Gast bei Freunden. Und tat, was seinen Ahnen schon vor 170 Jahren zum Verhängnis geworden war: Er ging auf Nahrungssuche. Er tat, was man von Wildtieren durchaus erwarten kann: wild sein. Der Schock über diese Bärenweisheit mündete schließlich in den Abschussbefehl. Und gibt Deutschland der Lächerlichkeit preis. Denn das Land lobt sich gern als Vorreiter in Sachen Umwelt- und Naturschutz. Und gibt viel Geld für Renaturierungen von Flächen und – kein Scherz – Auswilderungsprogrammen etwa von Luchsen im Harz aus. Die Bundesregierung setzt sich sogar für den Bestand der Braunbären in Slowenien ein. Nun reicht schon ein wilder Braunbär aus, um diesen Aktivismus in Atavismus enden zu lassen.
„Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung“ (Essen)
Es stimmt nachdenklich, wie unsere Medien-Gesellschaft mit solch einem Eindringling umgeht. Auf jeden Fall hysterisch: zwischen Teddy und Bestie. Bruno mag ein „Problembär““ gewesen sein, aber er wurde das nur durch uns. Die menschlichen Siedlungen sind so weit in die letzte Wildnis vorgedrungen, dass es für „JJ1“ naheliegend schien, sich das Futter in der Nähe der Zweibeiner zu suchen. Diese zweifellos nicht ungefährliche, aber erlernte Gewohnheit wurde Bruno zum Verhängnis. So ist der Problembär zur natürlichen Entsprechung unserer Problemgesellschaft geworden. Hoffentlich wird’s beim nächsten Mal unproblematischer.
„Main-Echo“ (Aschaffenburg)
Der Bär ist tot, und die Aufregung ist groß. Natürlich ist es bedauerlich, dass Bruno sterben musste, doch der Abschuss war vielleicht das Ehrlichste, was im Umgang mit dem Tier passieren konnte. Ehrlich im Sinne von entlarvend. Denn was sich da im Morgengrauen zum Montag nahe dem Spitzingsee vollzog, zeigt nichts anderes als das menschliche Grundmuster im Umgang mit Gefahren aus der Tierwelt: Bei BSE, Schweinepest und Vogelgrippe handeln unsere Behörden auch nicht anders. Brunos natürliches Bärenansiedlungs- programm war der bayerischen Staatsregierung nicht geheuer. Dort nimmt man die Dinge lieber selbst in die Hand. Es würde nicht verwundern, wenn Schnappauf zur Wiedergutmachung des politischen Flurschadens nun ein eigenes Bärenprogramm ankündigen würde. Am besten mit Korbinianbären.
Mitteldeutsche Zeitung
Wochenlang hat Braunbär Bruno Medien und Menschen in seinen Bann gezogen: Erst als willkommener Historienbär, dann (wie überraschend) als wildernder Problembär und schließlich als gefeierter Medienstar, der finnische Jäger und den Freistaatsapparat in Bayern foppt. Nun ist Bruno tot und das Wehklagen groß. Zu Recht? Gewiss, es ist traurig, dass Bruno nicht am Leben gehalten werden konnte. Vielleicht hätte es ja doch eine Möglichkeit geben, Bruno an einen sicheren Ort zu bringen? Das sollte man aber nicht vorschnell beurteilen, wenn man Bären nur aus dem Zoo oder vom Sofa kennt.
Stuttgarter Nachrichten:
Naturschützer wollten in den Alpen Rückzugsräume für Bären schaffen. Der Traum ist fürs Erste ausgeträumt. Der Abschuss vom Montag zeigt: Hier zu Lande ist kein Platz für wilde Tiere. Wo sich Menschen ausbreiten, müssen andere Kreaturen weichen: Das ist die Botschaft, die hinter Brunos Tod steckt. In vielen europäischen Ländern dagegen leben Mensch und Tier friedlich zusammen. Wie sagte Naturschutzringpräsident Hubert Weinzierl: „Bären der Welt, meidet Bayern!“
„Braunschweiger Zeitung“:
Da kommt nach mehr als 170 Jahren wieder ein Bär nach Deutschland und wir reagieren hilflos – können nur schießen. „Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich der Bär vor uns fürchtete“, schildert Hüttenwirt Peter Weihrer das Zusammentreffen mit Bruno. Stimmt. Bären haben Angst vor Menschen. Aber nicht Bruno geriet in Panik. Die blau- weißen Landesbehörden verloren die Nerven. Die Folge: Überall dort, wo man sich mit Bären auskennt – in Kanada oder den USA – lacht man über uns. Die Deutschen sind zu blöd, um mit einem jungen Braunbären Freundschaft zu schließen, haben Angst vor ihm. Bruno hätte nicht getötet werden müssen. Nach einer Narkose in einem Tiergehege aufzu- wachen, wäre die bessere Lösung gewesen. Bruno war halt nicht zu Gast bei Freunden.
„Westfälische Anzeiger“ (Hamm)
Ein letztes Halali für Bruno, den Bären. Da darf man als fühlendes Wesen schon traurig sein und die Frage stellen, ob es ein Betäubungsgewehr nicht auch getan hätte. Aber wie verlässlich sind Gefühle, wenn es um freilaufende Bären in relativ dicht besiedelten Landschaften geht? Die gleichen Leute, die reflexartig wegen des toten Bären die Behörden schmähen, würden mit ebensolcher Empörung den Kopf der Verantwortlichen gefordert haben, hätte Bruno auch nur einen Menschen angefallen.
„Mittelbayerische Zeitung“ (Regensburg):
Ganz ohne Zweifel war Bruno gestern der prominenteste Sterbefall im Freistaat und damit Bayern berühmteste Leich. Dabei mag schon die Zahl und Heftigkeit der Kondolenzen zeigen, dass der Bären-Lümmel Bruno trotz aller seiner Streiche den Weg in die Herzen vieler Menschen gefunden hat. Gestorben ist er im Morgengrauen vor großer Bergkulisse, gemeuchelt von unbekannter Schützenhand. Da steckt Jennerweinsche Wildschützen-Dramatik drin und noch dazu ein kleines juristisches Problem, denn zum vogelfreien Outlaw sollte Bruno amtlicherseits erst heute werden. Die Finnen sollten es richten, hatte der Umweltminister gehofft. Doch was die Skandinavier in zwei Wochen nicht geschafft haben, haben oberbayerische Jäger nun binnen Stunden erledigt und zum Halali für Bruno geblasen.
„Badische Zeitung“ (Freiburg)
Bruno hätte eine Gnadenfrist verdient gehabt. Vielleicht wäre er doch noch in eine Falle getappt oder vor das Narkosegewehr eines Tierarztes gelaufen. Der Todesschuss kam jedenfalls verdächtig schnell. Ist sie da wieder aufgeflammt, die alte Feindschaft zwischen Mensch und Bär, die einst zu seiner Ausrottung führte? Die Panik, die seinetwegen in den Alpen geherrscht hat, spricht Bände von dem verqueren Verhältnis, das die moderne Gesellschaft zur nicht domestizierten Natur hat. Ein wildes Tier: Das appelliert an Urängste, provoziert irrationale Reaktionen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, von einem Auto überfahren zu werden, ungleich höher als die, vom Bären gefressen zu werden. Solche Risiken aber nehmen wir schulterzuckend in Kauf nicht, weil sie weniger tödlich wären, sondern weil sie uns vertrauter sind.
„Mannheimer Morgen“:
Gut, Bruno war kein Knuddeltier. Er riss Schafe, wagte es, den Honig von Bienen zu stehlen und sich den Menschen zu nähern. Aber ein wenig seltsam mutet es schon an. Da streifen wochenlang Tierärzte und Bärenjäger durch das Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern, versuchen vergeblich, den Bären zu betäuben. Und kaum ist er zum Abschuss frei gegeben, ist es möglich, ihn so schnell ins Fadenkreuz zu bekommen? Der Verdacht drängt sich auf, dass manche Jäger nur darauf gewartet haben, den ersten Braunbären zu schießen, der nach 170 Jahren deutschen Boden betritt.
„20cent“ (Cottbus/Saarbrücken):
Der Bär ist tot. Na toll. Diese gezielte Abschuss-Aktion zeichnet ein peinliches Bild von unserem Land. Wenn es darum geht, Elefanten in Afrika zu schützen, sind wir groß dabei. Dass wilde Elefantenherden gern mal ganze Dörfer niedertrampeln und dabei regelmäßig Menschen töten, interessiert nicht… Wilde Tiere sind wichtig, Tierschutz erste Bürgerpflicht. Deswegen darf dem Tiger in Indien genauso wenig getan werden wie dem Bären in Kanada. Nur wenn sich so ein brauner Bruder mal in die bayrischen Alpne verirrt, da steppt bei uns gleich der Bär. Ein ganzes Land fühlt sich bedroht, weil Meister Petz mal ein paar Schafe reißt. Ein wildes Tier in unserem gesitteten Europa – das geht ja gar nicht. Also: Flinte raus und Problem gelöst. Wer mal nach einer Definition des Begriffes scheinheilig gesucht hat. Bitte, das ist sie.
Wienerzeitung.at:
Verärgert über den Abschuss zeigte sich der WWF Österreich: “Wenn man sechs Wochen lang alles Erdenkliche versucht, um das Leben des Bären zu retten und dann wird er so schnell erschossen, ist das schon enttäuschend.“
ORF.at:
“Unwürdiges Schauspiel”
Anders die Reaktion des Österreichischen Tierschutzvereins: “Was in den vergangenen Wochen mit dem Bären “JJ1″ veranstaltet wurde, war ein unwürdiges Schauspiel. Verfolgt, gehetzt nur weil er sich wie ein Bär verhielt. Zu einer gefährlichen Situation für Menschen ist es dabei nie gekommen. Der Abschuss war völlig unnötig.”, so der Verein in einer Aussendung.












Es ist zwar schön, daß du ganz viele Presseartikel kopiert hast, aber noch schöner wäre es gewesen, wenn du dazugeschrieben hättest, in welcher Gegend du wohnst!
Dann könnte man nämlich sehen, ob du bei Bärchen vor der Tür wohnst oder ein paar hunder Kilometer entfernt…
Ich weiss nicht, ob ich das dann anders sehen würde. Ich lebe zwar etwas weiter entfernt, war allerdings auch schon ein paar Mal in Österreich oder der Schweiz im Urlaub – wo ja bekanntlich sehr viele Bären frei herumlaufen.