Die ständige Atomkraft-Debatte
July 9th, 2008 Posted in UnterwegsHaben wir schon ein Sommerloch? Nichts interessantes zu Berichten? Die U-Bahn-Schläger sind veruteilt, BSE- und Gammelfleischskandale werden vorsichtshalber totgeschwiegen, die Wahl in Simbabwe war eine farce und, naja, da war ja noch son Krieg wo die Deutschen dabei sind, aber reden wir nicht mehr darüber.
Also kramen wir einfach ein 20 jahre altes Thema mal wieder aus der Schublade. Tatsächlich, so alt ist die Diskussion schon. Jaja, wir brauchen dringend Atomkraftwerke. Klimawandel, das Öl und die Kohle geht uns bald aus … und Uran wächst vermutlich auf den Bäumen?
Nein, natürlich nicht. Bei der aktuell genutzten Anzahl der Atomkraftwerke reicht das vorhandene und geschätzte Uran noch etwa 40-70 Jahre. Dann ist auch damit Schluß.
Um den wachsenden Energiebedarf der Welt decken zu können (wenn alle Kohle-/Öl-/Gaskraftwerke gleichzeitig aus Klimaschutzgründen abgeschaltet werden würden), müssten weltweit jedes Jahr bis mindestens 2050 etwa 20-30 AKWs gebaut werden. Jedes AKW hat eine Bauzeit von 10-20 Jahren, ein Preis für ein technisch hochwertiges Kraftwerk liegt bei etwa 20-40 Milliarden Euro. Ein wahnsinniger Aufwand und unvorstellbare Summen, die keine Betreiberfirma aufwenden könnte.
Vielleicht sind daher weltweit lediglich 16 AKWs zur Zeit im Bau - einige davon schon seit mehr als 15 Jahren. In den vergangenen Jahren wurden auch einige im Bau befindliche AKWs komplett gestoppt, da sich die Projekte nicht rentierten.
Die Strompreise werden nicht an der produzierten Menge Energie festgesetzt - die ist in Europa reichlich vorhanden. Die Preise werden an der Energiebörse festgelegt. Und die wird es wohl nicht interessieren, ob es ein paar Kraftwerke mehr oder weniger gibt.
Interessant ist vielleicht auch, daß das Land mit den meißten AKWs auch das Land mit dem höchsten CO2-Ausstoß weltweit ist - die USA. Und auch ein AKW erzeugt - wenn man mal alles zusammenaddiert - auch CO2. Bei einer theoretischen Laufzeit von 20 Jahren produziert ein AKW zum Bau und zum Betrieb sowie Förderung und Aufbereitung des genutzten Uranes etwa halb soviel CO2 wie ein Erdgaskraftwerk in der selben Zeit. Klar, das ist sind 50% weniger. Aber es ist nicht null.
Niemand hat bisher eine Lösung für die Entsorgung des Nuklearen Abfalles - der noch viele tausend Jahre hochradioaktiv strahlen wird (Uran239 hat eine Halbwertzeit von ca. 24.000 Jahren). Dieses Thema wird bei der Debatte gerne von den Befürwortern übergangen - und von Politikern totgeschwiegen.
Warum also eine ständige Debatte? Unterstellen wir den Politikern einmal nicht, daß sie von der Atomlobby “geschmiert” werden. Die wünschen sich nämlich gerne eine längere Laufzeit der vorhandenen AKWs. Das ist nämlich sehr billig produzierter Stom für die Konzerne. Und nur für diese. In deren Rechnung fehlt nämlich immer noch die Endlagerung und vor allem der Transport. Das läuft unter “Subventionen”. Wie war das noch vor 10 Jahren mit den Transporten nach Ahaus? Hunderte von Atomkraft-Gegnern und tausende von Polizisten zur Sicherung. Das läuft unter “Staatsausgaben”.
Vielmehr ist es wohl die Unkentniss oder die Angst, den Menschen zu sagen, daß sich die Welt in den nächsten 20 Jahren drastisch ändern wird - muß. Denn so weitergehen wie die letzten 20 Jahre kann es mangels Ressourcen einfach nicht.





