Kommentar: Urteil gegen Schmidt “Rachefeldzug gegen VW” ?

Bei kaum einem Thema erkennt man aktuell den Unterschied zwischen Akzeptanz und Ignoranz so gut, wie beim für viele deutschen mittlerweile leidigen Thema Dieselgate.

Der VW-Manager Oliver Schmidt wurde in den USA zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren verurteilt. Hier in Deutschland gibt es allenfalls weiche Versprechungen. Genau genommen sind es eigentlich nur “Möglichkeiten”, die alle nach “wir schauen mal was sich da machen lässt” klingen. So richtig unternehmen will aber eigentlich keiner etwas. Warum auch? Zwar hat die EU-Kommission strengere Grenzwerte für Neuzulassungen verabschiedet – nach Druck der Bundesregierung wurden hier aber extrem lange Übergangsfristen für erlaubte Überschreitungen eingebracht. Im Endeffekt wird sich die nächsten Jahre nichts ändern.

Schmidt: 7 Jahre Gefängnis

In den USA mussten entsprechende Fahrzeuge zurück genommen werden. Es wurden hohe Strafen gezahlt, neue Zulassungen müssen dort unmittelbar stärkere (bzw aktuell geltende) Grenzwerte einhalten. Unmittelbar, und nicht erst Übergangsfristen, die den Begriff “Frist” nicht verdienen.

Der deutsche Dieselfahrer hingegen versteht die ganze Aufregung nicht. Es ist ja alles nicht so schlimm, es gibt ja nirgendwo einen direkten Todesfall, kein verkrüppeltes Opfer, keine weinende Verwandtschaft. Politik und Lobbyisten haben es geschafft, den gesamten Skandal in Deutschland und Europa darzustellen, als würden die Amis hier extrem übertreiben.

Die amerikanische Justiz, so scheint es, zeigt sich im Dieselskandal extrem hart. Manche meinen: zu hart. „Die Strafen, die da verhängt werden, stimmen schon nachdenklich“, sagt der Manager eines deutschen Autokonzerns. Natürlich sei es schlimm, Behörden zu belügen, aber umgekommen sei schließlich niemand.

Welt Online, https://www.welt.de/wirtschaft/article171430467/Als-waeren-die-USA-auf-einem-Rachefeldzug-gegen-VW.html

Niemand ist umgekommen? Abseits von deutschen Autobauern, Lobby und Politik gibt es viele Wissenschafter, die das genaue Gegenteil darlegen. Ausgelöst wurde der Dieselskandal von der Tatsache, dass die Fahrzeuge mehr Schadstoffe in die Umwelt spucken, als angegeben ist, als gesetzlich erlaubt ist. Teilweise übersteigen die Werte den angegebenen oder gesetzlich zugelassenen Wert allgemein um das ca. 4-7fache, vereinzelt sogar um das 10-20fache.

Es wird davon ausgegangen, dass alleine durch diese zusätzlichen Schadstoffe in der Luft jährlich etwa 4.500 Menschen in Ballungsräumen vorzeitig sterben. Also 4.500 Todesfälle die auf das Konto aller am Dieselskandal beteiligten Personen gehen.
Quelle: http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa8850/meta

Niemand ist umgekommen?

Alleine die etwa 2,6 Millionen in Deutschland verkauften VW-Fahrzeuge mit Abschalteinrichtung verursachten zwischen 2008 und 2015 etwa 1.200 vorzeitige Todesfälle.

Nochmal: Niemand ist umgekommen?

Weiter wurde errechnet, dass die zusätzlichen Kosten für das Gesundheitssystem mindestens 39 Milliarden US-Dollar betragen werden. Dabei handelt es nur um die im Zusammenhang mit dem Dieselskandal auftretenden, zusätzlichen Umweltgifte.

39 Milliarden $ Kosten

Wenn man diese Zahlen vor Augen hat, ist das Urteil gegen Herrn Schmidt vielleicht doch nicht mehr so hart, gibt es vielleicht doch keinen “Rachefeldzug”. Zwar ist er persönlich nicht für die vielen Toten verantwortlich. Dennoch war er ein Teil des ganzen Systems, welches zuständig war.

Herr Schmidt hatte sich vor Gericht schuldig bekannt. Vermutlich geschah das primär auf Anraten seines Anwaltes. Aber immerhin hat er damit gezeigt, dass er Verantwortung übernehmen kann. Verantwortung für das verantwortungslose Handeln eines ganzen Konzernes.

Vielleicht sollten die weiteren VW-Manager auch mal Verantwortung zeigen.

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