Wie die NSA alle Internet-Daten mitlesen kann

Eine neue Analyse der von Edward Snowden geleakten NSA-Unterlagen zeigt auf, wie die NSA auch dort Internet-Daten analysiert und überwacht, wo sie es eigentlich nicht darf oder nicht kann.

Die aktuellen Gesetze und Vorschriften (FISA) verbieten es dem US-Geheimdienst NSA, Daten und Informationen von Personen innerhalb der USA abzufangen und mitzulesen. Normalerweise benötigt die NSA eine Ausnahmegenehmigung eines extra dazu eingerichteten Gerichtes – der United States Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC). Die aktuelle Analyse der NSA-Dokumente kommt zu dem Schluss, dass diese quasi eine Hintertür verwenden um diese Daten doch überwachen zu können – ohne gegen FISA zu verstoßen bzw ohne eine Genehmigung der FISC zu benötigen.

FISA verbietet Überwachung innnerhalb der USA

Die verwendete Technik ist jedem Netzwerkadministrator bekannt, und mittlerweile auch in vielen besseren Routern enthalten – Traffic shaping. Damit ist es möglich, Daten im Internet nach bestimmten Regeln umzuleiten. Die Idee dabei ist es, schneller bzw sichere Verbindungen zu erhalten.

Beispiel: Eine Firma hat zwei Internet-Zugänge bei zwei unterschiedlichen Providern. Das Traffic Shaping im Router bzw in der Firewall sorgt dafür, dass alle Anfragen der Mitarbeiter gleichmäßig auf beide Internet-Leitungen verteilt werden.

Scheinbar missbraucht die NSA traffic shaping um den Internet-Datenstrom von interessanten Personen (“Verdächtige”) über Kabel außerhalb des Gebietes der USA zu routen. Dort kann der Datenstrom überwacht werden, ohne dass eine Ausnahmegenehmigung notwendig wäre.

Traffic shaping zur Überwachung

Über den gleichen Weg schafft es der US-Geheimdienst auch, Daten in Ländern mitzulesen, in denen die NSA normalerweise keine eigene Überwachung betreibt bzw betreiben kann. Das NSA-Dokument gibt hier als Beispiel die Republik Jemen – da es keine Zusammenarbeit zwischen der USA und dem Jemen gibt, wird mittels traffic shaping der abzuhörende Datenstrom über Gebiete eines verbündeten Landes geroutet.

Interessant wird es am Ende des Jahres – das Gesetz, welches der NSA allgemein erlaubt, Datenverkehr außerhalb der USA zu überwachen, läuft dann aus. Bisher ist nicht bekannt, ob die US-Politiker planen dieses Gesetz zu verlängern. Die weitere Frage ist auch, ob die NSA einfach mit der Überwachung aufhören – oder ob sie entsprechend andere “Hintertüren” finden und ausnutzen würden.